Acht Skulpturen aus der Berliner Antikensammlung sind im Neuen Palais in Potsdam angekommen, und hier sind sie eine kleine Sensation


Die Figuren der sogenannten Lykomedesgruppe werden im unteren Vestibül genau so platziert, wie Friedrich sie im Antikentempel im Park Sanssouci aufgestellt hatte. So werden Besucher in die Welt der Mythologie eintauchen können und Friedrichs Gedanken und seinem Streben nach ewigem Ruhm ein wenig näher kommen.

Friedrich ließ den Antikentempel in Sanssouci 1768/69 eigens zur Aufstellung dieser 1742 in Frankreich erworbenen Gruppe errichten. Hier sollte ein größerer Teil der königlichen Antikensammlung ausgestellt werden und einem interessierten Publikum – nach Anmeldung – zugänglich sein. Die Lykomedesgruppe war das eigentliche Prunkstück dieses ersten Museumsbaus in Brandenburg-Preußen.

Die bei Rom als Torsi gefundenen antiken Statuen bildeten durch barocke Ergänzungen ein Ensemble, das die Entdeckung Achills unter den Töchtern des Königs Lykomedes auf Skyros durch Odysseus wiedergab. Der französische Bildhauer Lambert-Sigisbert Adam hatte die ursprünglich größtenteils nicht zusammengehörenden Figuren zu einer solchen Gruppe zusammengestellt.

Die Anregung zu dieser Interpretation und Ergänzung gab neben den schriftlichen Überlieferungen des Mythos ein Torso des Apollon im langen Kitharödengewand, den man als Achill in Mädchenkleidern interpretieren konnte. Die Töchter des Königs Lykomedes hingegen stellte Adam aus unspezifischen Fragmenten antiker weiblicher Gewandstatuen zusammen, denen er sprechende Attribute wie Toilettengegenstände und Accessoires in die Hände gab und ihre Köpfe mit barocken Modefrisuren versah. Die Mädchenstatuen verkörperten Posen der Überraschung und des Erschreckens. Denn die Gruppe sollte den Moment darstellen, in dem Odysseus Achill entdeckt. Heute ist nur noch eine Figur, das »junge Mädchen, die Sandalen anlegend«, in ihrem barocken Aussehen erhalten.

Friedrich hatte bedeutende Antikensammlungen erworben, mit denen er anfangs eine Geisteswelt der Mythologie und des ländlichen, unbeschwerten Lebens in seinen Schlössern darstellen wollte. Später wollte er damit vor allem einen barocken Repräsentationsstil schaffen. Friedrich hatte die Grundlage für die heute überwiegend in den Berliner Museen ausgestellten Antikensammlungen gelegt. Dort wurden sie allerdings unter völlig anderen Prämissen präsentiert und inszeniert.
 


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