Das Lieblingsobjekt von Kristin Bahre, zuständig für Registratur und Leihverkehr: "Voltaire nu" – Der Nackte Voltaire


Mein Lieblingsexponat ist der so genannte Nackte Voltaire.

Es ist etwas ganz Besonderes, die lebensgroße Marmorskulptur aus dem Louvre in Paris hier in Potsdam zu haben. Noch nie zuvor war sie in Deutschland. Ein derart kostbares Kunstwerk, noch dazu mit einem Gewicht von etwa einer Tonne, geht nur sehr selten auf Reisen.

Im klassischen Sinne schön ist dieser nackte, alte Mann ganz sicher nicht. Aber: Die schonungslos naturalistische Darstellung eines vom Alter gezeichneten Körpers frappiert bis heute. Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen, dieses Meisterwerk Jean-Baptiste Pigalles mit eigenen Augen zu sehen – zu sehen, wie der Bildhauer dem kalten und harten Werkstoff Marmor den lebendigen Eindruck weicher Haut abgerungen hat, wie er Knochen, Adern und erschlaffte Muskulatur unter der Haut hervortreten lässt.
Doch Pigalle wäre nicht einer der begehrtesten Bildhauer seiner Zeit gewesen, hätte er es nicht verstanden, dem ausgemergelten Fleisch einen Kontrapunkt entgegenzusetzen: Die ungeheuer strahlenden Augen und der so wache Blick des Philosophen sagen uns: sein Scharfsinn und sein Denkvermögen triumphieren über den Verfall des Körpers, sein Geist über die Zeit.
Das jedenfalls ist es, was mich an dieser unglaublichen Skulptur so fasziniert.

Mehr über die Geschichte der Skulptur, warum sie einen Skandal verursachte, was sie mit Friedrich verband und wie Voltaire selbst sie sah, erfahren Sie in der Ausstellung.

Kristin Bahre

 


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