Das Lieblingsobjekt von Alfred Hagemann, Wissenschaftlicher Kurator der Friederisiko-Ausstellung: Der Puderzerstäuber (poudre machine)


Sofort nach dem Tod Friedrichs II. begann man Objekte, die der König zu Lebzeiten benutzt hatte, wie Reliquien zu sammeln. Oft ist es allerdings sehr schwer nachzuweisen, ob Friedrich zum Beispiel ein bestimmter Hut tatsächlich getragen hat.
Friedrichs "poudre machine" aber hat eine Herkunft, die sich lückenlos zurückverfolgen lässt. Der letzte Leibpage des Königs war ab 1782 ein junger Mann namens von Rathenow. Im Besitz seiner Familie blieb sie für fast zweihundert Jahre, bevor sie in das Deutsche Ledermuseum in Offenbach gelangte.
Dieses sehr persönliche Utensil hat eine im Wortsinn hautnahe Beziehung zu Friedrich, denn es diente zur gleichmäßigen Verteilung von Puder über die Perücke. Allmorgendlich war der Leibpage dafür zuständig, dem König das Haarteil aufzusetzen und dann zu pudern, bevor Friedrich sich selbst ankleidete.
Die Gestaltung der "poudre maschine" ist ganz von der Funktion bestimmt. So dominiert die Rippenstruktur des zentralen Lederblasebalgs den Gesamtaufbau. Diese Rippen werden gestalterisch von den Rillen an dem hölzernen Vorderteil mit der Düse aufgenommen. Der einfache Griff am anderen Ende macht die Handhabung des Objekts sofort einsichtig. So ist ein Stück Design von zeitloser Schönheit entstanden, dass sich von der Pracht anderer Objekte aus Friedrichs persönlichen Besitz, z. B. seinen berühmten Tabatieren, deutlich abhebt.

Alfred Hagemann

Puderzerstäuber Friedrich II. zum Einpudern der Perücke, um 1780 (c) Deutsches Ledermuseum Offenbach am Main

 


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